Ökologische Baustoffe

Ökologisch Sanieren im Bestandsgebäude

Als Kristina Butschbachers Großmutter starb und das gut 200 qm große Einfamilienhaus in Meckesheim leer stand, sollte dieses eigentlich zu einem Mehrfamilienhaus umgebaut
werden. Doch durch die Auflagen der Gemeinde musste eine andere Lösung gefunden werden. Da Kristina Butschbacher die Sanierung selbst übernehmen wollte, zog die
damals in England lebende Architektin wieder in ihre Heimat. 3 Jahre später ist im Meckesheimer Ortskern ein historisches Schmuckstück mit neuesten, energetischen Standards
entstanden, in dem sie selbst mit ihrer Familie lebt und arbeitet. Für die Aktionstage „Wegen Sanierung geöffnet“ hatte sie im Herbst 2016 für Interessierte sogar ihre Türen
geöffnet. Diese Aktionstage wird es im Herbst diesen Jahres auch wieder geben. „Best Practice“aus der Region.

 

Auch wenn der historische Vierseithof aus dem Jahr 1798 nicht unter Denkmalschutz steht, so ist das alte Gebäude mit seiner regional-typischen Fassade mit Sandsteingesimsen doch ortsbildprägend. Deshalb hatte für Familie Butschbacher bei der Sanierung oberste Priorität in Grundrisse und Außenbild möglichst wenig einzugreifen. Das hat nicht nur die Bauherrin und Architektin Kristina Butschbacher, sondern auch die Energieberatung vor große Herausforderungen gestellt. Begonnen hat alles 2014 mit der Dacherneuerung: Der alte Dachstuhl
blieb erhalten und die Zwischenräume der Sparren wurden mit Hanf gedämmt. Zusätzlich wurden auf dem Dach 26 qm Flachkollektoren der Solarthermie-Anlage eingelassen. Sollte die Energie für Heizung und Warmwasserbereitung nicht ausreichen, schalten sich ein Holzvergaserkessel mit Pufferspeicher zu. „Mir ist bei der Sanierung die Verwendung von
natürlichen Baustoffen sehr wichtig“, sagt Butschbacher. In ihrem eigenen Haus hat sie sich getraut ein paar Dinge „auszuprobieren“, dazu gehört auch die Stückholzheizung. „Anderen Bauherren rate ich inzwischen davon an“, lacht die Meckesheimerin. Denn das Beheizen einer solchen, manuell zu bestückenden, Heizungsanlage ist „richtig arbeitsintensiv und zeitaufwendig“. Doch eine Pelletsheizung kam damals für sie nicht in Frage. „Wir haben die Möglichkeiten unser Holz selbst zu schlagen und zu lagern, da wollten wir die direkte
Variante“, erklärt sie ihre Entscheidung. Mit allen anderen Maßnahmen ist sie aber sehr zufrieden. Großmutters Haus mit neuesten Standards.

Besonders dass sie eine Lösung für die Dämmung gefunden hat. Da sie die originale, regional-typische Fassade erhalten wollte, kam eine Außendämmung für sie nicht in Frage. Trotzdem suchte sie einenWeg die Werte eingesetzter Primärenergie zu genutzter Endenergie zu verbessern. Durch die Beratung von Markus Brecht von der Energiewerkstatt
Rhein-Neckar hat sie sich schließlich für ein integriertes Wandheizungssystem entschieden, das nicht nur für wohlige Wärme sorgt, sondern auch die Dämmung von Innen übernimmt. Das warme Wasser durchströmt die Wandheizung, die im gesamten Haus auf den Innenseiten der Außenwände in fertigen Plattenmodulen installiert wurde. Dabei isolieren diffusionsoffene Holzweichfaserplatten zum Mauerwerk hin, die Heizungsschläuche werden in einem Schamottestein-Raster geführt. „Alle vorhandenen Wärmebrücken werden
durch Strahlungswärme beheizt, dadurch wird Feuchtigkeitsund Schimmelbildung verhindert“, berichtet Brecht. Ein Kalk-Lehmputz bildet dann den Abschluss der Innenwände.
Die Gestaltung und der Ausbau im Inneren ist geprägt von klaren Linien und präziser Detaillierung im Materialklang von Kalk- und Lehmputz, Holz und Naturstein. Auch wenn Familie Butschbacher jetzt schon in dem Haus wohnt und arbeitet, auch in den kommenden Jahren haben sie noch einige Projekte für die Bahnhofstraße 8 auf der Agenda: „Der Hof muss gemacht werden und das Haus soll einen neuen Anstrich bekommen.“ Natürlich immer mit dem alten Charakter des Hauses im Hinterkopf.

Bericht aus Energie vor Ort aus dem April.

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